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Nobert Schaub GmbH

 

 

Wer muss zustimmen?

Wer muss wann zustimmen? Eine Übersicht über die Regularien Schritt für Schritt finden Sie in unserer Infografik.

Welchen Zugang haben Geflüchtete zum Arbeitsmarkt?

Anerkannte Flüchtlinge haben für die Dauer ihrer Aufenthaltserlaubnis grundsätzlich freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Bei Asylbewerberinnen und Asylbewerbern sowie Geduldeten brauchen Sie die Erlaubnis der lokalen Ausländerbehörde – nur bei schulischen Ausbildungen wird diese Zustimmung nicht benötigt. Welche Ausländerbehörde zuständig ist, hängt ab vom Wohnort des Flüchtlings. Die zuständige Ausländerbehörde an Ihrem Standort finden Sie hier

In den meisten Fällen ist außerdem die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit nötig. Sie prüft mindestens, ob ein Geflüchteter zu vergleichbaren Bedingungen arbeitet, wie alle anderen Beschäftigten auch („Beschäftigungsbedingungsprüfung“). Die sogenannte „Vorrangprüfung“ ist seit dem Inkrafttreten des Integrationsgesetzes Anfang August 2016 in den meisten Regionen nicht notwendig: In 133 von insgesamt 156 Arbeitsagenturbezirken wird sie ausgesetzt. In den 23 Arbeitsagenturbezirken, in denen die Vorrangprüfung Bestand hat, prüft die Arbeitsagentur, ob die Stelle mit einem entsprechend qualifizierten deutschen Staatsbürger oder EU-Bürger besetzt werden müsste. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) hat eine Übersicht zum Umgang mit der Vorrangprüfung nach Arbeitsagenturbezirken zum Download erstellt.

Wer kümmert sich um die nötigen Zustimmungen?

Anerkannte Flüchtlinge benötigen keinerlei Zustimmungen. Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Geduldete beantragen die Arbeitserlaubnis selbst bei der zuständigen Ausländerbehörde ihres Landkreises oder ihrer kreisfreien Stadt. Für die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit und die Vorrangprüfung braucht es keinen Extra-Antrag. Falls sie nötig werden, stößt die Ausländerbehörde diesen Prozess direkt an.

Was müssen Sie als Arbeitgeber tun?

Arbeitgeber müssen lediglich den Vertrag (bei Praktikum oder Ausbildung) oder das Formular „Stellenbeschreibung“ (für Beschäftigung – verfügbar zum Download unter diesem Link) ausfüllen und dem zukünftigen Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Einen Überblick dazu bietet ebenfalls unsere Infografik unter dem Abschnitt „Wer muss zustimmen?“

Muster-Arbeitsverträge

Je nach Schutzstatus der Geflüchteten und nach Beschäftigungsart können Sie auf den Seiten der vbw (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.) Musterverträge herunterladen.

 

 

Wie bekomme ich Planungssicherheit für mein Unternehmen?

Die größte Planungssicherheit gibt es bei anerkannten Flüchtlingen. Sie haben für die Dauer der Aufenthaltserlaubnis freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Bereits bei der ersten Verlängerung erhalten sie in der Regel eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Bei Asylbewerberinnen und Asylbewerbern sowie Geduldeten kann sich der Status je nach politischen Rahmenbedingungen und der Situation im Herkunftsland kurzfristig ändern. Grundsätzlich lässt sich nicht ausschließen, dass Beschäftigte dann abgeschoben werden. Einen Überblick über die Bleibeperspektive für die jeweiligen Aufenthaltstitel finden Sie in unserer Infografik:

Was gilt für die jeweiligen Beschäftigungsarten?

 

Praktikum

Welche Formen von Praktika kommen in Frage?

Geflüchtete Menschen machen grundsätzlich aus den gleichen Gründen Praktika wie alle anderen Menschen auch: Weil es für eine Ausbildung an einer Schule, Berufsakademie oder Hochschule verpflichtend ist (Pflichtpraktikum). Weil sie noch keine Ausbildung haben oder sich neu orientieren wollen (berufsorientierendes Praktikum). Oder aber, weil sie im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums mehrere Branchen und potenzielle Arbeitgeber kennenlernen wollen (ausbildungsbegleitendes Praktikum).

Einen Überblick über die verschiedenen Praktika und Berufseinstiegsmaßnahmen finden Sie in einer Übersicht des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung.

Wie werden Geflüchtete im Praktikum entlohnt?

Hier gelten die gleichen Regelungen wie für alle Praktikanten auch. Pflichtpraktika brauchen nicht vergütet zu werden. Berufsorientierende und ausbildungsbegleitende Praktika müssen Sie bei einer Dauer von weniger als drei Monaten angemessen vergüten. Bei mehr als drei Monaten Dauer gilt auch für Geflüchtete der Mindestlohn.

 

Ausbildung

Welche Formen von Berufsausbildungen kommen in Frage?

Geflüchtete dürfen sofort und ohne Zustimmung der Ausländerbehörde oder des Arbeitsamts eine schulische Ausbildung aufnehmen, wenn sie ihren Asylantrag gestellt haben. Auch für betriebliche Ausbildungen sind die Hürden relativ niedrig. Asylbewerberinnen und Asylbewerber müssen drei Monate warten. Für Geduldete und anerkannte Flüchtlinge gibt es keinerlei Wartefrist.

Einen Überblick über Ausbildungsangebote, die Sie an Flüchtlinge richten können, finden Sie in einer Übersicht des KOFA.

Wie werden Auszubildende entlohnt?

Genauso, wie alle anderen Auszubildenden auch.

Wie bekomme ich Planungssicherheit für mein Unternehmen?

Mit dem 3+2-Modell im Integrationsgesetz gibt es die Möglichkeit, dass Geflüchtete für die Gesamtdauer der Ausbildung eine Duldung erhalten und im Anschluss eine Aufenthaltserlaubnis für zwei darauffolgende Berufsjahre ausgesprochen wird. Weitergehende Informationen dazu finden Sie in der Kurzübersicht zum Integrationsgesetz in unserem Mitgliederbereich.

 

Reguläre Beschäftigung und Zeitarbeit

Wie ist der Zugang zu Branchen mit Fachkräftemangel geregelt?

In den 23 Arbeitsagenturbezirken, in denen die Vorrangprüfung Bestand hat, gelten für Branchen mit Fachkräftemangel vereinfachte Regeln: Haben geflüchtete Menschen eine Qualifizierung für einen solchen Beruf, fällt die Vorrangprüfung weg. Ob Ihre Branche dazugehört, entnehmen Sie für Hochschulabsolventen bitte den Bestimmungen für die Blaue Karte EU. Für Ausbildungsberufe gilt die Positivliste der Bundesagentur für Arbeit.

Unter welchen Bedingungen ist Zeitarbeit erlaubt?

Anerkannte Flüchtlinge dürfen ohne Einschränkungen in Zeitarbeit beschäftigt werden. Für Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Geduldete gelten die gleichen Bedingungen wie für die Vorrangprüfung: In den 133 Arbeitsagenturbezirken ohne Vorrangprüfung können Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Geduldete bereits nach drei Monaten legalen Aufenthalts in Deutschland in der Zeitarbeit eingesetzt werden. In den 23 übrigen Arbeitsagenturbezirken ist dies erst nach 15 Monaten Aufenthalt möglich. Hier gelten allerdings die Ausnahmen für Berufe mit Fachkräftemangel (siehe dazu die obenstehende Frage).

Welche Regelungen gelten für die Entlohnung von Geflüchteten?

Geflüchtete Menschen müssen genauso entlohnt werden, wie alle anderen Beschäftigten auch. Auch für sie gelten Tariflöhne, Branchenmindestlöhne, ortsübliche Entlohnung oder der gesetzliche Mindestlohn. Wenn die Bundesagentur für Arbeit der Beschäftigung zustimmen muss, stellt sie in der Prüfung der Arbeitsbedingungen sicher, dass der Geflüchtete nicht zu ungünstigeren Arbeitsbedingungen beschäftigt wird, als vergleichbare deutsche Arbeitnehmer.