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Profitipps für Azubis mit Fluchthintergrund und ihre AusbilderInnen

Heute im Interview: Peter Frenz, ehrenamtlicher Prüfer für die IHK für Rheinhessen.

1.Herr Frenz, seit wann sind Sie Prüfer und für welchen Bereich genau?

Frenz: Seit 2008 bin ich ehrenamtlicher Prüfer für die BerufskraftfahrerInnen für die IHK Rheinhessen und zudem auch stellvertretender Vorsitzender des Prüfungsausschusses.

2. Was sind die größten Herausforderungen bei der praktischen Abschlussprüfung?

Frenz: Die größte Herausforderung ist meines Erachtens immer noch die Sprachbarriere. Wir versuchen dieses Thema so früh wie möglich innerhalb der Ausbildung anzugehen, aber dennoch liegen hier oft die größten Schwierigkeiten.

3. Wie sollte man sich am besten auf die Prüfung vorbereiten?

Frenz: Ich versuche unseren Azubis von Anfang an die Angst vor dem Sprechen und dem Fehlermachen zu nehmen. Ich animiere sie, ihre Gedanken auszusprechen und nachzufragen, wenn etwas nicht verstanden wurde. Hier spielen oftmals kulturelle Unterschiede eine entscheidende Rolle. Vielen Azubis mit Fluchthintergrund fällt es schwer, sich einzugestehen, dass sie etwas nicht verstanden haben und dann um Hilfe zu bitten. Hier versuchen wir von Anfang an klarzustellen, dass Fehler zum Lernen dazugehören. Das gilt auch für die praktische Prüfung. Es ist wichtig, dass die Prüflinge sich nicht scheuen zu sprechen, auch wenn sie sich nicht hundertprozentig sicher sind. Wir PrüferInnen versuchen dann nachzusteuern und den Prüfling mit konkreten Fragen in die richtige Richtung zu lenken.

4. Ihr Tipp für AusbilderInnen: Wie unterstützt man Auszubildende mit Fluchthintergrund bei der Prüfungsvorbereitung?

Frenz: Wir haben einen sehr guten Kontakt zu unserer Berufsschule aufgebaut. Durch einen regelmäßigen Austausch erfahren wir direkt, wenn sich in einem Bereich Schwierigkeiten anbahnen und können daraufhin geeignete Lösungswege entwickeln. Diesen Austausch würde ich allen AusbilderInnen empfehlen.

Darüber hinaus legen wir viel Wert darauf, dass die Berichtshefte in vollständigen Sätzen ausgefüllt werden. Dies ist eine gute und regelmäßige Übung, um die sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern. Und wir sensibilisieren unsere Azubis mit Flucht- und Migrationshintergrund schon früh für den schönen rheinhessischen Dialekt. Das ist notwendig, da der Kundenkontakt ein wichtiger Teil dieses Berufs ist.

Nichtsdestotrotz schätzen wir aber auch sehr die Mehrsprachigkeit unserer Azubis, da auch unsere Kundinnen ganz unterschiedlicher Herkunft sind und nicht immer perfekt deutsch sprechen. Die Kenntnis einer weiteren Sprache kann hier manchmal sehr hilfreich sein.

Vielen Dank für das Interview und die zahlreichen guten Tipps, Herr Frenz!

Noch nicht genug? Weitere Interviews mit PrüferInnen gibt es übrigens hier.

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