5 Fragen an unsere Regionalbotschafterin aus Schleswig-Holstein

Veröffentlicht am: 18.12.2019

Ein Interview mit Petra Ziesemer von der Bartels-Langness Handelsgesellschaft

Um bundesweit Best Practices zu erarbeiten, hat das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge Betriebe aus den einzelnen Bundesländern ausgewählt, die für ein Jahr den Titel „Regionalbotschafter“ tragen. So entsteht ein Netzwerk von Experten, das die Arbeitsmarktintegration praktisch lebt und die Expertise an Unternehmen in der Region weitergibt. In Form von kurzen Interviews möchten wir hier unsere Regionalbotschafter vorstellen.


Für Schleswig-Holstein sprachen wir mit unserer Regionalbotschafterin Petra Ziesemer aus der Personalabteilung der Bartels-Langness Handelsgesellschaft (kurz: Bela) mit Sitz in Kiel. In dem Familienunternehmen, das seit über 125 Jahren besteht, wird der Zusammenhalt groß geschrieben.

Ich bin Regionalbotschafterin, weil …

… unser Unternehmen es sich zum Ziel gesetzt hat, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv einzubringen, wenn es in unserer Gesellschaft Handlungsbedarf gibt. Wir haben bereits viele positive Erfahrungen mit der Integration von Geflüchteten gemacht und möchten diese weitergeben.

Meine beste Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten war ...

... der Moment, als unser erster Auzubildender mit Fluchthintergrund sein Ausbildungszeugnis überreicht bekam. In diesem Augenblick habe ich mich an die Stationen erinnert, die wir gemeinsam durchlaufen haben: den schwierigen Einstieg aufgrund der Sprachprobleme, die Verhandlungen mit den Ämtern, die Suche nach einer Wohnung, die Anstrengungen, um in der Berufsschule mitzuhalten, das Engagement der Kollegen in den Ausbildungsabteilungen und vor allem die tolle Motivation, die Einsatzbereitschaft und das Durchhaltevermögen unseres Azubis.

Den Betrieben in Schleswig-Holstein gebe ich mit, ...

… dass es sicherlich immer noch recht kompliziert ist, einen Geflüchteten als Mitarbeiter oder Azubi einzustellen. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen, um die bürokratischen Fragen zu lösen. Wir haben hier sehr gute Erfahrungen mit den Behörden (z. B. dem Jobcenter) und der IHK gemacht. Sehr hilfreich ist für uns auch die Mitgliedschaft im NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge.

Und unterm Strich können wir auf jeden Fall sagen: Das Engagement lohnt sich und wir freuen uns über die neuen Kolleginnen und Kollegen sowie Azubis mit Fluchthintergrund, die wir für die Bela gewinnen konnten!

Schwierig war bei uns zunächst, ...

… dass die Sprachkenntnisse von vielen Geflüchteten für die Arbeit in der Praxis und insbesondere für die Berufsschule noch nicht ausreichten. Auch hatten wir unterschätzt, dass die traumatischen Erfahrungen, die manche Geflüchtete machen mussten, zum Teil zu starken Beeinträchtigungen führen. Insofern sind wir sehr froh, dass die Unterstützungsmöglichkeiten wie Sprachkurse, spezielle Nachhilfe und psychologische Betreuung immer stärker ausgeweitet werden. Hier sehen wir aber auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Und was ist Ihr Tipp für die erfolgreiche Ausbildung von Geflüchteten im Handel?

Wir glauben, dass ein schrittweiser Einstieg in den Beruf der richtige Weg ist: Zunächst empfehlen wir ein Praktikum, dann eine Einstiegsqualifizierung, danach eine Ausbildung. So kann eine Hürde nach der anderen genommen werden. Flankierend zur Berufsschule benötigen Geflüchtete außerdem häufig eine spezielle Sprachförderung und Nachhilfe. Wir sorgen außerdem dafür, dass sie vor Ort einen festen Ansprechpartner haben, der sie unterstützt und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht.

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Weitere Informationen zu der Bartels-Langness Handelsgesellschaft mbH & Co. KG lesen Sie in unseren "Guten Beispielen" und unter www.bela.de.