4 Fragen an unseren Regionalbotschafter aus Mecklenburg-Vorpommern

Veröffentlicht am: 08.11.2021

Ein Interview mit Hannes Thies

Um bundesweit Best Practices zu erarbeiten, hat das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge im dritten Jahr Betriebe aus den einzelnen Bundesländern ausgewählt, die für ein Jahr den Titel „Regionalbotschafter“ tragen. So entsteht ein Netzwerk von Experten, das die Arbeitsmarktintegration praktisch lebt und die Expertise an Unternehmen in der Region weitergibt. In Form von kurzen Interviews möchten wir hier unsere Regionalbotschafter vorstellen.

Für Mecklenburg-Vorpommern sprachen wir mit unserem Regionalbotschafter Hannes Thies vom Hotel Amsee GmbH. Im SPA Hotel Amsee sind zurzeit 26 MitarbeiterInnen, vier Auszubildende und zehn MinijobberInnen beschäftigt. Von dieser Belegschaft stammen fünf Personen aus Syrien, darunter ein Auszubildender im zweiten Lehrjahr.

Ich bin Regionalbotschafter, weil …

... ich die Erfahrungen und Entwicklungen, die wir in unserem Betrieb in den letzten Jahren mit bzw. durch Menschen mit Fluchthintergrund gemacht haben, nicht missen möchte. Es wurden noch immer Lösungen für alle auftretenden Herausforderungen gefunden und nicht selten waren es innovative und kreative Lösungen. Als Team hat uns diese Erfahrung gestärkt und unsere Stammbelegschaft hat Kompetenzen erlangt, die uns in Zukunft helfen werden Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu integrieren. Grundsätzlich ist es mir wichtig diese Botschaft des Gelingens anderen Betrieben zu übermitteln und hilfestellend unsere Erfahrungen zu teilen. Wie bei jeder neuen Situation gibt es Hürden, über die aber nicht jede oder jeder alleine stolpern muss.

Meine beste Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Fluchthintergrund ist...

... immer dann, wenn entgegen allen externen Prophezeiungen, die neu eingestellten MitarbeiterInnen sich gut einbringen und als wahre Bereicherung für das Unternehmen herausstellen. Ich sehe den Betrieb dann sowohl als Chancengeberin als auch als „Aufklärerin“. Es ist ein tolles Gefühl, Menschen mit Vorurteilen vom Gegenteil zu überzeugen. Dieses Engagement wird uns oft durch die Wertschätzung unserer Kunden bestätigt und macht uns als Unternehmen humaner, vertrauensvoller und zeitgemäß.

Schwierig waren bei uns zunächst ...

... die Hürde, die die zu geringen Deutschkenntnisse der neuen MitarbeiterInnen stellte. Kurzfristig haben wir gemeinsam mit den anderen Teammitgliedern daran gearbeitet ein besseres und einfacheres Kommunikationsmodell aufzubauen. Beispielsweise wurden Kommunikationswege verkürzt, digitale Medien zur Hilfe genommen, Anweisungen klarer formuliert und die Einarbeitungsphase von MitarbeiterInnen mit geringeren Deutschkenntnissen länger an eine verantwortliche Bezugsperson im Team gebunden. Daraus wuchs in Eigendynamik ein im Team angebotener Deutschkurs. Darüber hinaus gibt es kulturelle Unterschiede, die es zu überbrücken gilt. Es darf und soll schließlich auch keine Bevorzugung von Menschen mit Fluchthintergrund stattfinden, denn dann würde die Unterstützung im Team versiegen und gerade die ist für die erfolgreiche Integration bedeutend. Zudem ist der Rucksack aus Erlebnissen der Flucht unterschiedlich schwer und bedarf sensibel gehandhabt zu werden. Jeder Mensch geht unterschiedlich mit dem, was er erlebt hat um.

Den Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern gebe ich mit...

... dass es sich lohnt den Menschen mit Fluchthintergrund eine Anlaufstelle zu sein. Betriebe, denen es gelingt sich einen guten Ruf aufzubauen, können damit unter anderem dem Fach- und Hilfskräftemangel effektiv entgegenwirken. Um eine Stabilität im Team zu garantieren, ist es ratsam auch innerhalb der Gruppe der Geflohenen hinsichtlich Alter, Bildungsstand, familiärer Situation und Geschlecht auf Diversität zu setzen. Aus personalwirtschaftlicher Perspektive birgt die Einstellung von Geflohenen, die bereits vor Ort sind, einen großen Vorteil gegenüber dem komplizierten und zum Teil auch kostspieligen Anwerben von ausländischen Arbeitskräften. Größer noch als die Kostenersparnisse für das Recruitment wiegt der Vorteil, dass die Menschen bereits in der Umgebung der Betriebe leben und bestenfalls schon sozial eingebunden sind. Bleibeperspektiven sind gekoppelt an praktische und persönliche Bindungen, an Arbeit, Schule, Vereine, Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Freundeskreise. Als auf Zuwanderung und Zuzug angewiesene Unternehmen im ländlichen Raum ist es die Aufgabe gemeinsam mit der Politik und der Zivilgesellschaft über die Arbeit hinaus Strukturen zu schaffen in denen Integration im Sinne von interkulturellen Austausch, Spracherwerb und sozialräumliche Bindung ermöglicht wird.

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Weitere Informationen zum Hotel Amsee lesen Sie unter: hotel-amsee.net