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Aktuelle Umfrage

Ausbildung von Geflüchteten bleibt auch in Corona-Zeiten stabil

02.02.2021. Das fünfte Jahr in Folge befragte das bundesweite NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge seine Mitgliedsunternehmen zum aktuellen Stand der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Aufgrund der starken Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die deutsche Wirtschaft wurde die Befragung in diesem Jahr um Fragen zum Einfluss der Pandemie auf die Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten ergänzt.

Von den zum Befragungszeitraum rund 2.600 Mitgliedern haben insgesamt 410 Unternehmen an der Befragung teilgenommen. Drei von vier der teilnehmenden Betriebe (76 Prozent) sind kleine und mittelständische Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Insgesamt beschäftigen die befragten Unternehmen 7.079 MitarbeiterInnen mit Fluchthintergrund.

Abb. 1: Anzahl der Beschäftigten in den befragten Unternehmen im Jahresvergleich

Zentrale Erkenntnisse

Die Ergebnisse im Jahresvergleich

1. Die Ausbildung ist weiterhin die häufigste Beschäftigungsform. Fast alle Auszubildenden mit Fluchthintergrund werden nach bestandener Prüfung auch als Fachkraft übernommen.

Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (53 Prozent) bildet Menschen mit Fluchthintergrund aus. Der Anteil der als Fachkraft Beschäftigten ist im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf 37 Prozent gestiegen und hat sich innerhalb der letzten vier Jahre verdoppelt (Vergleich 2016: 18 Prozent).

Abb. 2: Prozentuale Verteilung nach Beschäftigungsform

Da sich die Tendenz der zunehmenden Ausbildungen und Fachkrafteinstellungen unter den Geflüchteten bereits in den vergangenen Jahren abzeichnete, hat das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge erstmalig abgefragt, wie viele Betriebe von erfolgreichen Ausbildungsabschlüssen berichten können und wie viele ihre Absolventen als Fachkraft übernommen haben. Hier gab mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) an, dass ihre Auszubildenden bereits erfolgreich ihre Prüfungen abgeschlossen haben. Von diesen Betrieben haben 97 Prozent ihre vorherigen Auszubildenden auch als Fachkraft übernommen.

Abb. 3: Übernahme als Fachkraft nach bestandener Abschlussprüfung

Im Gegensatz dazu sind die Zahlen der ausbildungs- und berufsvorbereitenden Beschäftigungsformen wie Praktikum und Einstiegsqualifizierung im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Während 2019 noch 40 Prozent der Unternehmen Geflüchtete im Rahmen eines Praktikums oder anderen vorbereitenden Maßnahmen auf eine Ausbildung vorbereiteten, waren es 2020 nur noch ein Viertel der Unternehmen. Ähnlich verhält es sich mit dem staatlichen Instrument der Einstiegsqualifizierung: 12 Prozent weniger Unternehmen nutzten 2020 dieses Förderinstrument zur Vorbereitung auf die Ausbildung (2020: 13 Prozent, 2019: 25 Prozent). Hier wird sich in den kommenden Jahren zeigen, ob es sich um eine coronabedingte Abnahme handelt oder andere Faktoren diese Entwicklung beeinflussen. Die Anzahl an Geflüchteten in Führungspositionen ist um ein Prozent auf 4 Prozent gestiegen, in Hilfsarbeitertätigkeiten bleibt sie stabil (2020 und 2019: 29 Prozent).

Abb. 4: Prozentuale Verteilung nach Beschäftigungsform im Jahresvergleich

2. Unternehmen erarbeiteten erfolgreich praxistaugliche Lösungen, um trotz Corona-Pandemie die Ausbildung und Beschäftigung fortzusetzen.

Bei der Einschätzung, inwieweit Geflüchtete stärker von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind als ihre Kolleginnen und Kollegen ohne Fluchthintergrund, sind die Unternehmen zwiegespalten: Eine leichte Mehrheit (56 Prozent) sieht hier keinen Unterschied, 44 Prozent hingegen nennen Gründe, wodurch die Arbeitsbedingungen für Geflüchtete im Zuge der Kontaktbeschränkungen potenziell erschwert werden. Die drei am häufigsten genannten Gründe sind, dass erstens die rein digitale Kommunikation sprachliche Missverständnisse zusätzlich befördert (25 Prozent), zweitens die Behörden schwerer zu erreichen sind (24 Prozent) und drittens die technische und räumliche Ausstattung für das mobile Arbeiten nicht vorhanden sind (18 Prozent). Insbesondere die schwierige Situation in den Flüchtlingsunterkünften wurde von den Betrieben als weiterer Grund in diesem Zusammenhang erwähnt.

Abb. 5: Eindruck der Unternehmen zu Betroffenheit durch die Corona-Pandemie nach Herkunft der Mitarbeitenden

9 von 10 Betrieben, die sich mit diesen zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert sahen, reagierten noch im selben Jahr, um trotz Kontaktbeschränkungen Geflüchtete auszubilden. Die Hälfte der Unternehmen gibt an, dass der Ausbildungsalltag an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst wurde (52 Prozent), also beispielsweise Inhalte digitalisiert oder die Arbeit in Kleingruppen ermöglicht wurden. Mehr als jedes dritte Unternehmen hat den Auszubildenden spezifische Lernzeiten im Home Office eingeräumt (37 Prozent). Darüber hinaus haben 32 Prozent der Unternehmen aktiv den Austausch mit der Berufsschule gesucht, um Lerninhalte abzusprechen. Besonders erfreulich: Nur 7 Prozent der befragten Unternehmen geben an, als Folge der Corona-Pandemie weniger Geflüchtete auszubilden.

Abb. 6: Lösungen im Umgang mit Kontaktbeschränkungen

3. Schwierigkeiten in der Berufsschule und komplizierte Verfahren werden weiterhin von den Unternehmen als größte Herausforderungen bewertet. Als zunehmend schwierig schätzen Betriebe sprachliche Hürden, mangelnde Vorkenntnisse der Geflüchteten und die Einschätzung der vorhandenen Qualifikationen ein.

Die drei größten Herausforderungen für Unternehmen bei der Integration von Geflüchteten bleiben die Schwierigkeiten in der Berufsschule (37 Prozent), komplizierte Verfahren und Vorschriften (32 Prozent) und Unsicherheiten in der Personalplanung wegen drohender Abschiebung (30 Prozent). Wobei alle drei Herausforderungen im Jahresverlauf etwas abgenommen haben. Als zunehmend herausfordernd schätzen die Unternehmen aktuell sprachliche Hürden (29 Prozent, 2019: 26 Prozent), mangelnde Vorkenntnisse der Geflüchteten (27 Prozent, 2019: 15 Prozent) und die Einschätzung vorhandenen Qualifikationen ein (25 Prozent, 2019: 21 Prozent).

Abb. 7: Herausforderungen für Unternehmen
Abb. 8: Herausforderungen für Unternehmen, die als „sehr schwierig“ und „nicht zu überwinden“ eingeschätzt werden, im Jahresvergleich
(Anmerkung: Einschätzung der Qualifikationen und Schwierigkeiten in der Berufsschule werden erst seit 2018 abgefragt)

4. Bewährt hat sich für fast alle Unternehmen, ihren Mitarbeitenden mit Fluchthintergrund besondere Unterstützungsleistungen anzubieten, die über die betriebliche Praxis hinaus gehen. Insbesondere im Rahmen der Prüfungsvorbereitung werden die Betriebe selbst aktiv oder nutzen vorhandene Angebote für ihre Auszubildenden.

Fast alle Unternehmen bieten ihren geflüchteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch weiterhin gezielt Unterstützung an, um im Betrieb anzukommen (96 Prozent vs. 4 Prozent, die keine Unterstützung anbieten). Am häufigsten unterstützen Betriebe ihre Mitarbeitenden mit Fluchthintergrund bei Behördengängen (61 Prozent). Leicht zugenommen hat das Angebot an Nachhilfeunterricht für Auszubildende (58 Prozent, 2019: 54 Prozent). Zusätzliche Sprachkurse wurden etwas weniger angeboten (2020: 50 Prozent, 2019: 55 Prozent). Trotz des schwierigen Jahres gabt es bei diesen Angeboten keinen systematischen Rückgang.

Abb. 9: Unterstützungsangebote der Unternehmen
Abb. 10: Unterstützungsangebote der Unternehmen im Jahresvergleich

Erstmalig wurden in diesem Jahr auch die Unternehmen, deren Auszubildende bereits die Prüfung bestanden haben, gefragt, welche Maßnahmen bei der Prüfungsvorbereitung geholfen haben. Neben dem Kontakt zu anderen Auszubildenden, z.B. im Rahmen von Lerngruppen (64 Prozent) und einem Mentoringprogramm innerhalb des Unternehmens (60 Prozent) benennen die Unternehmen auch die Unterstützung durch staatliche Förderinstrumente wie ausbildungsbegleitende Hilfen und der Assistierten Ausbildung (49 Prozent), zusätzliche Sprachkurse (35 Prozent) und die Unterstützung durch Ehrenamtliche (30 Prozent).

Abb. 11: Genutzte Unterstützungsangebote zur Prüfungsvorbereitung

5. Die zentralen Motive der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten bleiben die Übernahme sozialer Verantwortung sowie der Fach- und Hilfskräftemangel.

Auf gleichbleibend hohem Niveau sehen Unternehmen die soziale Verantwortung (82 Prozent) und den Fach- und Hilfskräftemangel (70 Prozent) als die beiden größten Treiber, Geflüchtete in ihren Betrieb aufzunehmen. 4 von 10 Unternehmen benennen die mit der Beschäftigung Geflüchteter einhergehende kulturelle Vielfalt im Betrieb als Motivation für die Beschäftigung von Menschen mit Fluchthintergrund.

Abb. 12: Beweggründe der Unternehmen für ihr Engagement
Abb. 13: Beweggründe der Unternehmen für ihr Engagement im Jahresvergleich

Weitere Informationen

Von November 2020 bis Januar 2021 haben 410 von fast 2.600 Mitgliedsunternehmen an der Umfrage teilgenommen. Insgesamt beschäftigen diese Unternehmen 7.079 Menschen mit Fluchthintergrund.

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Kurzzusammenfassung der Ergebnisse

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge wurde 2016 als gemeinsame Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gegründet. Mit aktuell über 2.600 Mitgliedern ist es deutschlandweit der größte Zusammenschluss von Unternehmen, die sich für die Beschäftigung von Geflüchteten engagieren. Die Angebote des NETZWERKs wie Informationsmaterialien, Webinare, Workshops und Veranstaltungen sind wie die Mitgliedschaft kostenlos.

Weitere Information unter www.unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de.

Bilder für Ihre Berichterstattung können Sie sich hier herunterladen: https://ihkdrop.cloud/nc194/index.php/s/Qj8K7xQJ5LQGGgK
(Bitte geben Sie den entsprechenden Fotonachweis mit an)

Pressekontakt

Katharina Reiche
NETZWERK Unternehmen
integrieren Flüchtlinge
E-Mail: reiche.katharina@dihk.de
Tel.: 030 20308 6559