Fachsprache und viele helfende Hände – wie Arbeitsmarktintegration gelingen kann

Nachbericht zum NUiF-Geburtstagsauftakt am 16. Mai in Frankfurt

 

„Jetzt mal Tacheles: Wie lauft es mit der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter?“ stand beim Auftakt der Geburtstagsreihe am 16. Mai 2019 in der IHK Frankfurt am Main im Mittelpunkt. Wir haben das dreijährige Bestehen des NETZWERKs als Anlass genommen, um kurz innezuhalten: Was lief in den letzten Jahren hinsichtlich der Arbeitsmarktintegration gut und wo muss nachjustiert werden? Rund 60 Teilnehmende diskutierten diese und weitere Fragen mit dem NETZWERK, der IHK Frankfurt und weiteren regionalen Akteuren.

 

Eingangs wurden Ausbildungszahlen gegenübergestellt:

2016 waren rund 12.200 Geflüchtete in Ausbildung. Im Jahr 2019 hat sich diese Zahl mit 44.100 Auszubildenden nahezu vervierfacht (Quelle: Bundesagentur für Arbeit). Das steigende Interesse am Thema spiegelt sich auch in der Anzahl der NETZWERK-Mitglieder wider: Ging das NETZWERK 2016 noch mit 300 Mitgliedsunternehmen an den Start, ist es mittlerweile mit mehr als 2.000 Mitgliedern der bundesweit größte Zusammenschluss von Betrieben, die sich für die Ausbildung und Beschäftigung Geflüchteter Menschen engagieren.

 

Ein Mann steht auf einer Bühne und spricht

Um den Zahlen auch ein Gesicht zu verleihen, erklärte NETZWERK-Werkstudent Firas Younis, was sich für ihn seit seiner Ankunft in Deutschland verändert hat. Firas ist 2014 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Neben der Wiederaufnahme seines Studiums und dem Einstieg ins Berufsleben, hat sich vor allem der Faktor „Zeit“ bei ihm verändert: „Seit ich in Deutschland lebe, pflege ich zwei Kalender“, so Firas.

Ein Mann sitzt an einem Tisch und lächelt.

Gleicher Name anderes Gesicht: Firas Alshater ist Ende 2013 aus Damaskus nach Deutschland geflohen. Seine Fluchtgeschichte und sein Ankommen in Deutschland hat er in zwei Büchern niedergeschrieben, die sehr unterhaltsam die kulturellen Unterschiede zwischen Syrien und Deutschland auf den Punkt bringen. In einer kurzweiligen Lesung brachte er diese für die Gäste zum Besten.

 

In der Podiumsdiskussion kamen Personen zusammen, die maßgeblich zum Gelingen der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten beitragen:

Mo Drammeh, Auszubildender beim Hotel Steigenberger Frankfurter Hof, schilderte seine aktuelle Situation. Im Betrieb laufe alles in Ordnung, nur die Berufsschule und die damit verbundenen Abschlussprüfungen sind extrem knifflig: „Ich rate jedem Auszubildenden ein halbes Jahr vor der Prüfung mit dem Lernen anzufangen“, so der angehende Hotelfachmann.

 

Seine Vorgesetzte Marion Freddy Krämer kann diesen Rat nur bestätigen. Außerdem sei es wichtig, bestehende Netzwerke und deren Förderangebote zu nutzen. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger Ressourcen biete sich das an: „Zusammen mit der IHK in Frankfurt haben wir ein großartiges Programm gestartet, um unsere Azubis hinsichtlich der Sprache zu fördern. Außerdem nutzen wir eine digitale Lernplattform, mit der die Azubis Prüfungsfragen beantworten können“.

 

An der analogen Nachhilfe führe aber kein Weg vorbei, ist das Credo von Simone Stockmann. Sie ist Berufsschullehrerin an der Franz-Böhm-Schule in Frankfurt und betont: „Wir bieten natürlich Deutschförderklassen an und bereiten spezifisch auf die Prüfung vor. Unser Hauptaugenmerk liegt vor allem darauf, schwierige Prüfungstexte zu erläutern und die dahinter stehende Aufgabenstellung zu vermitteln.“

 

Was Unternehmen hinsichtlich der Sprachförderung ihrer Auszubildenden leisten können, fasste Sarah Strobel vom NETZWERK Unternehmen integrierten Flüchtlinge zusammen: „Falls der oder die Auszubildende nicht an einem Sprachkurs teilnehmen kann, bieten sich Sprachtandems zwischen gleichaltrigen Azubis an. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich als Sprachmentor ausbilden zu lassen und selbst die Kollegin oder den Kollegen in der jeweiligen Fachsprache anzulernen.“

 

Florian Richterich, Flüchtlingskoordinator der IHK Frankfurt, richtet zum Abschluss der Diskussionsrunde den Blick in die Zukunft: „Ich hoffe, dass durch das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz unsere Arbeit nicht schwerer wird. Wir haben wirksame Instrumente geschaffen, wie beispielsweise die 3+2-Regelung. Noch mehr Reglementierungen festzulegen, um in Deutschland bleiben zu dürfen, wäre kontraproduktiv.“

 

Mehrere Personen sitzen nebeneinander. Sie unterhalten sich.

v.l. Florian Richterich (IHK Frankfurt), Mo Drammeh (Steigenberger Frankfurter Hof), Marion Freddy Krämer (Steigenberger Frankfurter Hof), Simone Stockmann (Franz-Böhm-Schule ), Firas Alshater, Caroline Strobel (NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge) und Sarah Strobel (NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge).

 

Wir danken allen Teilnehmenden und Gästen für diesen anregenden und spannenden Auftakt in unserer Reihe 3 Jahre NUiF – 3 Jahre Geflüchtete in Ausbildung – 3 Geburtstagsveranstaltungen.

Nummer 2 und 3 finden nach den Sommerferien statt:

 

Sie möchten in Kiel oder Augsburg dabei sein? Dann reservieren Sie sich schon heute ganz unkompliziert per E-Mail einen Platz.

 

Was hat das NETZWERK in den letzten drei Jahre gemacht? Im Video gibt es eine launige NUiF-Trivia: