Ashadullah Waader war der erste Geflüchtete, der über den VHS-Sprachkurs den Weg zu BIW gefunden hat. Seit 1. August 2017 macht er eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker. (Bildquelle: BIW Isolierstoffe GmbH)

 

 

„Die Sprache ist der Einstieg“

Unternehmer Ralf Stoffels erklärt, warum die Sprache wichtig für den Beruf ist

 

15.09.2017. Sechs Geflüchtete arbeiten inzwischen bei der BIW Isolierstoffe GmbH in Ennepetal. Einer von ihnen ist seit 2016 in Ausbildung, der zweite seit August 2017. Der Kontakt zu den Geflüchteten entstand über die Sprache. Ralf Stoffels finanzierte 2015/16 Sprachkurse der VHS Ennepe-Ruhr-Süd. Wie wichtig die deutsche Sprache für den Beruf ist, erläutert der geschäftsführende Gesellschafter im Interview.

Ralf Stoffels
Warum haben Sie sich entschlossen, die Sprachkurse der VHS finanziell zu unterstützen?

Nur über die deutsche Sprache kann Geflüchteten der Einstieg in unsere Gesellschaft und das Arbeitsleben gelingen. Da es damals noch zu wenig staatlich finanzierte Deutschkurse gab, haben wir einen Kurs mit 15 Teilnehmern und 27 Unterrichtseinheiten finanziert.

 

Wie haben die Geflüchteten dann den Weg in Ihren Betrieb gefunden?

Durch die Unterstützung der VHS habe ich eine sehr engagierte Sprachlehrerin kennengelernt. Sie schlägt uns Kandidaten aus ihren Kursen vor und begleitet sie auch zum Vorstellungsgespräch. Nach einem zweiwöchigen Praktikum entscheiden wir dann, ob der Mensch zu uns in den Betrieb passt. Dieses Vorgehen hat sich bewährt, denn wir wollen niemanden ausnutzen und zwei Wochen reichen, um den Menschen kennenzulernen.

 

Wie geht es weiter, wenn die neuen Mitarbeiter bei Ihnen anfangen?

Ganz wichtig: Ich bin auf meine Mannschaft angewiesen. Wenn ich die Leute in die Teams stecke, müssen sie auf Akzeptanz und Unterstützung treffen. Dann lernen sie im Betrieb am schnellsten Deutsch. Nach der Arbeit besuchen sie weiter Sprachkurse bei der VHS, um sich zu verbessern. Je nach Ausgangssituation finanzieren wir den Kurs komplett oder die Mitarbeiter müssen einen kleinen Eigenanteil übernehmen.

 

Sie unterstützen aber nicht nur Geflüchtete mit Deutschkursen?

Nein. Ich möchte keine Extrawurst für die neuen Mitarbeiter anbieten. Darum schicken wir auch langjährige Kollegen zu den Sprachkursen, damit sie sich beruflich weiterentwickeln können. Mohammad Ihram zum Beispiel ist vor vielen Jahren aus Pakistan geflüchtet. Auf seine neue Aufgabe als Teamleiter haben wir ihn auch mit einem Sprachkurs vorbereitet.

 

Sie bilden zwei Geflüchtete aus. Warum nicht mehr?

Die neuen Mitarbeiter fangen bei uns als Produktionshelfer an. Das heißt, sie arbeiten ganz normal im Dreischichtbetrieb mit und verdienen auch entsprechend. Die Menschen dann zu überreden, eine Ausbildung zu machen, ist schwer. Sie verdienen ja dann weniger und müssen zur Berufsschule gehen. Das ist schon eine Umstellung für sie.

 

Warum haben sich die beiden Auszubildenden dann für eine Ausbildung entschieden?

Wafay Farhad hat 2016 eine Ausbildung zum Energieanlagen-Elektroniker begonnen. Er ist 45 Jahre alt und kommt aus dem Iran. Dort hat er Elektrotechnik mit einer besonderen Spezialisierung studiert. Das Studium wurde aber nicht anerkannt, weshalb er bei uns erst mal in der Produktion angefangen hat. Er will aber unbedingt wieder in seinem alten Beruf arbeiten. Dieses Ziel wird er mit der Ausbildung erreichen. Ashadulla Waader macht eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Verfahrensmechaniker. Da er in Afghanistan für die Amerikaner tätig war, kann er sehr gut Englisch. Das hat ihm den Einstieg bei uns sehr erleichtert.

 

 

 


Über BIW Isolierstoffe GmbH:

  • 500 MitarbeiterInnen, davon 18 Auszubildende
  • Standorte: Ennepetal (NRW), Nieder-Olm (RLP), China, Polen
  • Produkte: Schläuche, Profile und Dichtungen aus Silicon und Kautschuk

 

 

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