Ausbildungsabbrüche vermeiden: Diskussion zu einzelnen Fragen und Erfahrungsaustausch (Foto: KAUSA Servicestelle Brandenburg)

Diskussion zu einzelnen Fragen und Erfahrungsaustausch (Foto: KAUSA Servicestelle Brandenburg)

 

Ausbildung für Geflüchtete erfolgreich gestalten und Ausbildungsabbrüche vermeiden

Unternehmer und Experten sammelten bei einem Workshop in Cottbus Lösungen

 

24.05.2018. Bundesweit bricht etwa jeder vierte Azubi seine Ausbildung ab – in einigen Branchen sogar jeder dritte. Dadurch entsteht auch der Wirtschaft jedes Jahr erheblicher Schaden. Erstrecht in einer Zeit, in der die Unternehmen immer mehr Aufwand betreiben müssen, um ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Dabei sind Ausbildungsabbrüche auch für Auszubildende alles andere als einfach zu verkraften. Sie bedeuten, gleichermaßen für einheimische und junge Auszubildende mit Fluchtgeschichte, viel Enttäuschung, Frust und Unsicherheiten.

 

Wie können Personaler nun Ausbildungsabbrüche von Geflüchteten vermeiden? Mit dieser Frage beschäftigten sich bei einem Workshop im Bildungszentrum der IHK Cottbus Unternehmen und Experten aus Brandenburg. Dabei waren viele Personaler und Ausbilder, die bereits junge Geflüchtete ausbilden, Praktikumserfahrungen haben oder kurz davorstehen, Ausbildungsverträge abzuschließen. Gemeinsam sammelten sie Ansätze, wie Hürden genommen werden und die ersten Ausbildungsmonate mit Unterstützung an den richtigen Stellen erfolgreich verlaufen können.

 

Herausforderungen Geflüchteter früh erkennen

Yvonne Meyer von der IHK Potsdam nannte vor allem die Fachsprache Deutsch als Hauptgrund für Ausbildungsabbrüche. Danach kommen Schwierigkeiten im Betrieb und in der Berufsschule. An dritter Stelle schließlich folgen Gründe, die Ergebnis fehlender Berufsinformationen oder falscher Erwartungen sind, in der Persönlichkeit, im allgemeinen Wissensstand oder der Leistungsfähigkeit liegen. Auch die Wohnsituation, Mobilität oder ein zu geringes Einkommen können Herausforderungen sein.

 

Welcher der Gründe für einen Ausbildungsabbruch verantwortlich ist, erfassen viele Unternehmen nicht genau. Jedoch wurde in der Diskussion deutlich, dass sie meist schon in der Probezeit oder im ersten Ausbildungsjahr auftreten. Deshalb ist es überaus sinnvoll, die Herausforderungen früh zu erkennen, damit sie den Azubis nicht über den Kopf wachsen. „Hier sind wir auch auf die gute Kommunikation mit den Lehrern in der Berufsschule angewiesen“, sagte Jörg Lange von der LWG Lausitzer Wasser GmbH & Co.KG. „Wir geben auch gern begleitende Nachhilfe und sehen das als wichtiges Angebot an“, berichtet Lange. Für erfolgreiche Lösungsstrategien ist auch die Erkenntnis wichtig, dass Ausbildungsabbrüche nicht nur Ergebnis des Scheiterns von Azubis sind.

 

Zusammenarbeit mit Behörden und Weiterbildung der Ausbilder wichtig

Natürlich bewegte die Unternehmen die Frage, wie sicher ihre Investitionen in die Ausbildung Geflüchteter sind. „Wir suchen händeringend Lkw-Fahrer und möchten gern Migrantinnen und Migranten, auch Geflüchtete, ausbilden. Aber natürlich sollen sie dann möglichst nicht in Syrien, sondern hier in Brandenburg fahren“, fasste Jan Baade von Remondis zusammen. Sebastian Kappa, IHK Cottbus, betonte: „In jedem Fall ist es wichtig mit den Behörden zusammenzuarbeiten und miteinander zu sprechen.“ Seine Erfahrung sei, dass hier auch der Ton die Musik mache, denn die 3+2-Regel sei oft eine gute Lösung, zum Beispiel für ausbildungsbereite Afghanen.

 

Auch an die Mitarbeiter werden hohe Anforderungen gestellt. „Viele Unternehmen brauchen interkulturelle Schulungen“, sagt Petra Schäfer von der uesa GmbH. „Unser Vorteil auf dem Land ist daneben vielleicht, dass man sich hier gut kennt und schnell hilft, wenn es Probleme gibt.“ Jan Baade bemerkte zudem: „Wir als Ausbilder müssen uns auch weiterbilden, damit wir die Azubis – deutsche und internationale – besser verstehen und richtig anleiten können.“

 

Veranstalter waren das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge, die KAUSA Servicestelle Brandenburg und die Kammern IHK Cottbus und IHK Potsdam.