4 Fragen
an unseren Regionalbotschafter
aus Rheinland-Pfalz

Veröffentlicht am: 03.09.2025
Ein Interview mit Jan Reifenberger von der SCHOTT AG
Um bundesweit Best Practices zu erarbeiten, hat das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge im siebten Jahr Betriebe aus den einzelnen Bundesländern ausgewählt, die für ein Jahr den Titel „Regionalbotschafter*in“ tragen. So entsteht ein Netzwerk aus Expert*innen, das die Arbeitsmarktintegration praktisch lebt und die Expertise an Unternehmen in der Region weitergibt. In Form von kurzen Interviews möchten wir hier unsere Regionalbotschafter*innen vorstellen.
Für Rheinland-Pfalz sprachen wir mit unserem Regionalbotschafter Jan Reifenberger. Als Projektmanager für Fachkräftesicherung bei der SCHOTT AG, einem weltweit führenden Spezialglas- und Materialtechnologieunternehmen mit über 17.400 hochqualifizierten Mitarbeitenden in mehr als 30 Ländern, engagiert er sich für Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und Zugwanderten. Am Standort Mainz arbeiten rund 3.100 Menschen, darunter ca. 450 ohne deutsche Staatsbürgerschaft und etwa 40 mit Fluchtgeschichte. Von angelernten Aushilfen über Azubis bis hin zu Fachkräften finden Menschen mit Flucht- und Zuwanderungsgeschichte bei SCHOTT vielfältige Chancen.
Ich bin Regionalbotschafter, weil …
… ich zeigen möchte, dass betriebliche und gesellschaftliche Integration von Geflüchteten Hand in Hand gehen. Wenn wir unsere Erfahrungen teilen, uns gegenseitig im Netzwerk unterstützen und gemeinsam Hürden abbauen, können wir den Arbeitsmarktzugang von Geflüchteten verbessern. Davon profitieren wir nicht nur wirtschaftlich, sondern auch als Gesellschaft insgesamt.
Meine beste Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten und Zugewanderten ist, …
… ihre Motivation zu erleben: den starken Willen, sich ein neues Leben aufzubauen und durch harte Arbeit die eigene Situation zu verbessern. Ein Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag kann dabei der entscheidende Faktor sein, um persönliche Ziele zu erreichen.
Schwierig war bei uns zunächst, …
… Azubis mit der passenden Sprachförderung zu versorgen, damit sie in der Berufsschule bestehen können. Die Berufs- und Betriebssprache zu vermitteln ist darüber hinaus aber auch nötig, um sich in bestehende Teams zu integrieren, die Unternehmenskultur zu verstehen und wirklich in einem Unternehmen anzukommen.
Immer wieder kam es auch zu Unsicherheiten wegen auslaufender Aufenthaltstitel. Wenn Mitarbeitende mit Fluchtgeschichte Angst haben müssen, ihr Aufenthaltsrecht zu verlieren, wirkt sich dies spürbar auf ihre Motivation und Arbeitsleistung aus. Hier in der Region fehlt es – wie vielerorts – außerdem an Therapieplätzen und Integrationskursen mit Kinderbetreuung.
Den Betrieben in Rheinland-Pfalz gebe ich mit:
Diverse Teams sorgen für neue Perspektiven und können die Produktivität steigern. Damit das funktionieren kann, muss ich aktiv für die passenden Rahmenbedingungen sorgen und die nötige Unterstützung leisten. Das muss aber kein Betrieb allein schaffen. Vernetzt Euch, holt Euch Ideen und profitiert von den Erfahrungen anderer! So könnt Ihr eine neue Zielgruppe von potenziellen Mitarbeitenden erschließen und ganz nebenbei Menschen eine Perspektive für eine bessere Zukunft bieten.

