Gratulation zur bestandenen Prüfung

Gratulation zur bestandenen Prüfung

Doppelinterview mit Tipps für Betriebe und Azubis mit Fluchthintergrund

Johannes M. Jeutter beschäftigt in seinem Landschaftsbaubetrieb „Garten und Pflanzen Jeutter“ in Göppingen 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unter den 10 Auszubildenden des Betriebs befinden sich auch Auszubildende mit Fluchthintergrund. Zwei dieser Azubis haben vor kurzem erfolgreich ihre Ausbildung abgeschlossen.

Was den Auszubildenden dabei geholfen hat und wie der Betrieb zu dem Erfolg beitragen konnte, erfahren Sie im folgenden Doppelinterview mit Johannes M. Jeutter und seinem ehemaligen Azubi Hamed, den er mittlerweile als Fachkraft übernommen hat:

Herr Jeutter, Sie haben ein eigenes Ausbildungskonzept im Unternehmen eingeführt. Können Sie kurz beschreiben, was daran so besonders ist?

Johannes M. Jeutter: Unser Ausbildungskonzept beruht darauf, dass wir zusätzlich viele theoretische und praktische Übungen anbieten. Die finden bewusst außerhalb der Arbeitszeit statt. Dies hebt die Wertigkeit. Die Ausbildungen werden immer von uns AusbilderInnen gemacht und von KollegInnen, die in irgendeiner fachlichen Weise spezialisiert sind. Aber wir haben auch Gaststars von außen. Manchmal einen Dr. der Biologie oder einen Fotografen, der mit den Azubis die erarbeiteten Pflanzenporträts in Videos aufnimmt und vieles mehr.

Was hat aus Ihrer Sicht beim Deutschlernen besonders gut geholfen?

Johannes M. Jeutter: Eine Sprache lernt sich immer am leichtesten, wenn man diese ständig spricht. Deshalb hat es am besten geholfen, dass die jungen Männer ständig mit deutschsprechenden Gleichaltrigen unterwegs waren, in der Regel mit ihren Kollegen. Durch die Arbeit und auch die anfänglich scheinbare Mehrbelastung durch die zusätzlichen Lernangebote werden die jungen Menschen ganz anders zusammengeführt. Wenn man nach 7,5 Stunden die Schaufel wegwirft und davonrennt, wird die Arbeit im Kopf zur Last und unerträglich. So sieht man sich länger und trinkt nach der Arbeit auch mal zusammen einen Kaffee. Wenn vor allem das Arbeitsklima stimmt, dann wird die Arbeit zum Halt, wenn es sonst nicht rund läuft oder man Angst hat, abgeschoben zu werden. Dann ist man auch in der gemeinsamen Sprache viel leichter zu Hause.

Hand auf’s Herz: Würden Sie wieder Geflüchtete ausbilden?

Johannes M. Jeutter: Ja klar, machen wir doch. Das trägt zur Öffnung bei. Ein „Open Mind“ ist immer gut und bringt uns weiter.

Hamed, wie fühlst du dich mit dem Zeugnis in der Tasche?

Hamed: Ich fühle mich endlich sicher und auch befreit. Und ich muss nie wieder Berichtsheft schreiben 😊

Was hat dir bei der Prüfungsvorbereitung gut geholfen?

Hamed: Die Unterstützung durch den Betrieb und die Kollegen.

Was sind eure beruflichen Wünsche für die Zukunft?

Hamed: Ich habe keine konkreten Wünsche. Ich möchte erstmal Berufserfahrung sammeln.

Das NUiF-Team gratuliert ganz herzlich zu diesem Erfolg und wünscht für die Zukunft alles Gute!

  • Weitere Informationen zu Garten und Pflanzen Jeutter lesen Sie unter www.gaertnerhof-jeutter.de.
  • Ein weiteres Interview mit Johannes M. Jeutter über sein Engagement als Regionalbotschafter 2019/20 gibt es hier.
  • Praxistipps zur Einsatzplanung während des Ramadan hat Johannes M. Jeutter in unserem neuen Integrationskompass ergänzt.

Kleines Wörterbuch für MitarbeiterInnen im Bäckerhandwerk

Hier geht’s zum Download des Flyer.

Neu erschienen:
Sprachflyer für das Bäckerhandwerk

Was ist eigentlich eine ممر الخبز الصغير المدور ?

Und was möchte die Kollegin, wenn sie darum bittet, die Sichtkontrolle durchzuführen? Auch im Bäckerhandwerk gibt es viele branchentypische Begriffe, die geflüchtete Menschen im Sprachkurs meist nicht lernen.

Damit der Berufseinstieg in der Branche schnell gelingt, haben wir gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. für Ihre neuen MitarbeiterInnen ein kleines Wörterbuch erstellt. Darin werden wichtige deutsche Begriffe in die Sprachen Englisch, Arabisch, Farsi und Tigrinya übersetzt. Im Wörterbuch sind die fünf Sprachen übersichtlich in einer Tabelle nebeneinander aufgeführt. Zudem gliedert es sich in Rubriken wie Werkzeuge, in der Backstube/Arbeitsvorgänge,  Zutaten und Rohstoffe sowie im Verkauf.

Hier geht es zur Übersicht all unserer Sprachflyer und Poster für die Branchen Pflege, Logistik, Handel, Gastronomie und weitere.

Und zum Schluss noch die Auflösung:

ممر الخبز الصغير المدور ist Arabisch und bedeutet Brötchenstraße

Neue Website veröffentlicht

Neue Website online

Wir präsentieren unseren Integrationskompass

Vielfalt auch und vor allem in Krisenzeiten – wir sammeln die besten Ideen, wie Betriebe auch in Krisenzeiten auf eine interkulturelle Belegschaft setzen können. Wie wir das machen? Im Rahmen unserer neuen Workshop-Reihe, der sogenannten Roadshow Vielfalt, entwickeln und sammeln wir gemeinsam mit Unternehmen deutschlandweit die erfolgversprechendsten Konzepte und geeigneten Werkzeuge der betrieblichen Integration von geflüchteten Menschen und stellen sie in einem übersichtlichen und interaktiven Format für andere Unternehmen bereit.

Mit wenigen Klicks finden Unternehmen in unserem frisch veröffentlichten Integrationskompass Konzepte entsprechend ihrer Größe, ihres Budgets und ihrer personellen Möglichkeiten. Betriebe können sich von den unterschiedlichen Ideen, wie Vielfalt gelebt und gepflegt werden kann, inspirieren lassen.

Die Betonung liegt hierbei auf interaktiv: Teilen Sie gern Ihre Erfahrungen mit bestehenden Konzepten oder stellen Sie Ihre eigenen Ideen und Erfolgsrezepte vor, wie kulturelle Vielfalt im Betrieb gelingen kann. Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

Die neue Website findet sich unter: www.nuif-integrationskompass.de

Unseren ersten (digitalen) Roadshow-Stop hatten wir am 1. Oktober 2020 zusammen mit Volkswagen. In einer spannenden Keynote ließ uns Volkswagen hinter die Kulissen des global agierenden und vielfältigen Großkonzerns blicken:

„In einer Welt globaler Unsicherheit brauchen wir Vielfalt dringender denn je. Lineare Denkmuster funktionieren in einer globalisierten Welt nicht mehr. Wir müssen immer vielseitiger denken und mit unplanbaren Krisensituationen umzugehen lernen.“

Dr. Thymian Bussemer, Leiter HR Strategie & Innovation sowie Konzern Flüchtlingshilfe, Volkswagen AG

Hier geht’s zum Rückblick

Frisch ernannt: Die neuen Regionalbotschafter

Frisch ernannt und herzlich willkommen

Die neuen Regionalbotschafter im NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge

Wie läuft die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten in den jeweiligen Bundesländern? Was sind die regionalen Besonderheiten, insbesondere in Corona-Zeiten? Welche Ideen gibt es bereits, um trotz derzeitiger Krise auf Arbeits- und Fachkräfte mit Fluchterfahrung zu setzen? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden und bundesweit Best Practices zu erarbeiten, hat das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge zum zweiten Mal Unternehmensvertreterinnen und -vertreter in den einzelnen Bundesländern ausgewählt, die für ein Jahr den Titel „Regionalbotschafter“ tragen.

Persönlicher Auftakt in Berlin

Dr. Sabine Hepperle, Abteilungsleiterin „Mittelstandspolitik“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (links)
Sofie Geisel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im DIHK und Geschäftsführerin der DIHK Service GmbH (rechts)

Zu einem ersten persönlichen Erfahrungsaustausch trafen sich die Regionalbotschafter mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Projektteam vom NETZWERK am 15. September 2020 im Hotel Titanic Chaussee in Berlin.

Dr. Sabine Hepperle, Abteilungsleiterin „Mittelstandspolitik“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), begrüßte die neue Runde der Regionalbotschafter mit den Worten: „Die Corona-Pandemie führt bei vielen Unternehmen zu starken wirtschaftlichen Einbußen. In diesem Umfeld stellen die Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten eine noch größere Herausforderung dar als ohnehin schon. Sie als Regionalbotschafter/in des NETZWERKS gehören zu den besonders engagierten Betrieben. Sie packen aktiv an, integrieren Geflüchtete tagtäglich erfolgreich in Ihren Betrieben und teilen Ihre Erfahrungen im Netzwerk. Davor haben wir großen Respekt! Wir danken Ihnen sehr herzlich für dieses besondere Engagement, das unsere größte Wertschätzung genießt.“

Sofie Geisel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im DIHK und Geschäftsführerin der DIHK Service GmbH, ergänzt: „Betriebe, die Geflüchtete beschäftigen, denken weit voraus. Sie erlernen bereits heute Kompetenzen, die sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig machen. Denn der Fachkräftemangel wird sicherlich auch nach der Corona-Pandemie ein wichtiges Thema für die Wirtschaft bleiben.“

Erste gemeinsame Aktivitäten geplant

Das persönliche Treffen bot den Betrieben die Möglichkeit, von den Herausforderungen und Handlungsbedarfen ihrer täglichen Arbeit zu berichten. Darüber hinaus konnten sie alle ihre Fragen rund um die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten an das BMWi, den DIHK und das Projektteam stellen. Es wurde über die Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung diskutiert, Ideen für das Onboarding während der Corona-Pandemie ausgetauscht und über die Unterstützungsmöglichkeiten für Unternehmen bei einer nicht bestandenen Prüfung nachgedacht.

Neben vielen praktischen Beispielen und dem Austausch über die einzelnen regionalen Bedarfe, wurden die ersten gemeinsamen Aktivitäten geplant. Wir freuen uns auf ein spannendes Jahr mit unseren Regionalbotschaftern. Die daraus resultierenden Erkenntnisse und Tipps, teilen wir dann natürlich mit all unseren Mitgliedsunternehmen, um weiterhin gemeinsam mit Ihnen die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten voranzutreiben.

Für Nordrhein-Westfalen ist
Fatima Meyer-Hetling vom Krankenhaus St. Augustinus-Kliniken die neue Regionalbotschafterin
Es wurden aktuelle Herausforderungen diskutiert und gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeitet.
Sylvia Pyzik von den Mainzer Verkehrsbetrieben ist die Regionalbotschafterin für Rheinland-Pfalz

Die Idee der Regionalbotschafter

Mit bundesweit mehr als 2.500 Betrieben ist das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge der größte Zusammenschluss von Unternehmen, die Geflüchtete beschäftigen oder ausbilden. Im vergangenen Jahr wurde das Konzept der „Regionalbotschafter“ erstmalig ins Leben gerufen, um aus dem riesigen Erfahrungsschatz der Mitgliedsunternehmen regionale Besonderheiten herauszustellen. So entsteht ein Netzwerk von Experten, das die Arbeitsmarktintegration praktisch lebt und die Expertise an Betriebe in der Region weitergibt. Nach einem Jahr ernennen die Regionalbotschafter Mitte 2021 ihre Nachfolger.

Zu den diesjährigen Regionalbotschaftern zählen

  • in Baden-Württemberg Manfred Hölzl, Konzil Restaurant Konstanz
  • in Bayern Sonja Ziegltrum-Teubner, Bayerische Blumen Zentrale
  • in Berlin Eva Witzgall, Bayer Pharma AG
  • in Brandenburg Björn Wiese, Privatbäckerei Wiese
  • in Bremen Robert Bau, Elbe-Weser Welten gGmbH
  • in Hamburg Monika Sonnenberg, Seniorenresidenz Harburg Betriebs GmbH
  • in Hessen Franka Keßler, IKEA Deutschland GmbH & Co. KG
  • in Niedersachsen Ulla Kampers, nordluft Wärme- und Lüftungstechnik GmbH & Co. KG
  • in Nordrhein-Westfalen Fatima Meyer-Hetling, Krankenhaus St. Augustinus-Kliniken
  • in Rheinland-Pfalz Sylvia Pyzik, Mainzer Verkehrsbetriebe
  • in Sachsen-Anhalt Thomas Lalla, Wiedemann Industrie und Haustechnik GmbH
  • in Schleswig-Holstein Annas Karnath, A-ROSA Hotel Sylt
  • in Thüringen Marion Schneider, Toskana Therme Bad Sulza GmbH

Alle Regionalbotschafter lernen Sie hier kennen: www.nuif.de/regionalbotschafter

Weitere Informationen zu den kommenden Veranstaltungen mit den Regionalbotschaftern folgen in Kürze.

Sie möchten Ihre Erfahrungen auch mit dem NETZWERK teilen und im kommenden Jahr Regionalbotschafter werden? Dann melden Sie sich gern unter: info@unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de

Sie haben generell Interesse an einem Erfahrungsaustausch in Ihrer Region? Dann schauen Sie am besten in unserem Terminkalender nach, welche Veranstaltungen aktuell geplant sind. Nichts in Ihrer Nähe? Melden Sie sich gern bei uns und wir prüfen, ob wir bald zu Ihnen kommen: info@unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de

Nachweis für alle Fotos: NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge / Bernd Brundert

Vorlage für den Antrag auf Ausbildungsduldung

Die Beantragung der Ausbildungsduldung (3+2) erfolgt durch den/die zukünftige/n Auszubildende/n bei der Ausländerbehörde.

Vorlage für den Antrag auf Ausbildungsduldung

Um den Weg in die Ausbildungsduldung für Sie und Ihre Auszubildenden mit Fluchthintergrund zu vereinfachen, haben wir eine entsprechende Antragsvorlage in zwei Varianten erstellt:

Nicht vergessen – Zusammen mit dem Antrag müssen Sie folgende Unterlagen mit einreichen:

  • Unterschriebene/r Ausbildungsvertrag / Anmeldebestätigung der Berufsfachschule
  • Nachweis über die Eintragung des Ausbildungsverhältnisses

Antragsvorlage für das „+2“

Für die Beantragung der Aufenthaltserlaubnis für 2 Jahre im Anschluss an die Ausbildungsduldung, also das „+2“, haben wir ebenfalls eine Vorlage für den Antrag auf Aufenthaltserlaubnis für qualifizierte Geduldete zum Zweck der Beschäftigung für Sie erstellt.

Für weitere Informationen zur +2 können Sie hier das Info-Papier „+2“ herunterladen.

Weitere Informationen und Praxistipps zur Ausbildungsduldung finden Sie hier.



Analysiert: Die Ergebnisse unserer Mitgliederbefragungen

Die Ergebnisse unserer Mitgliederbefragungen

Das bundesweite NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge befragt jedes Jahr seine Mitgliedsunternehmen zum aktuellen Stand der Integration von Geflüchteten. Wie viele Geflüchtete haben den beruflichen Einstieg geschafft? An welchen Positionen konnten sie eingesetzt werden? Mit welchen Herausforderungen sehen sich die Unternehmen dabei konfrontiert?

Auf dieser Seite sammeln wir die jährlichen Stimmungsbilder und zentralen Erkenntnisse aus unseren Mitgliederbefragungen.

Ergebnisse aus 2019

Die Ausbildung von Geflüchteten wird immer attraktiver

zur Auswertung

Ergebnisse aus 2018

Herausforderungen sinken dort, wo Betriebe selbst aktiv werden

zur Auswertung

Ergebnisse aus 2017

Unternehmen engagieren sich weit über das betriebliche Maß hinaus

zur Auswertung

Ergebnisse aus 2016

Sprachliche Hürden sind für Unternehmen die größte Herausforderung

zur Auswertung

Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten in Zeiten der Corona-Pandemie

Pressemeldung

Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten in Zeiten der Corona-Pandemie

Berlin, 13. Mai 2020. Die Corona-Pandemie führt bei vielen Betrieben zu wirtschaftlichen Einbußen. Laut aktueller DIHK-Blitzumfrage unter mehr als 10.000 Unternehmen leiden 60 Prozent der Betriebe weiterhin unter einer gesunkenen Nachfrage. Vier von fünf Unternehmen erwarten für das gesamte Jahr Umsatzeinbrüche. Mehr als ein Drittel müssen die Investitionen zurückschrauben. In diesem Umfeld sind die Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten eine noch größere Herausforderung als ohnehin schon. Wie gehen Unternehmen mit dieser Aufgabe um? Darüber diskutiert das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge auf einer digitalen Netzwerktagung.

Foto: DIHK / Jens Schicke

Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK):

„Für weite Teile der Wirtschaft ist die Corona-Krise eine existenzielle Frage. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir noch schwierige Monate vor uns haben. Beschäftigte sind vermehrt in Kurzarbeit, Arbeitsplatzverluste z.B. infolge von Insolvenzen werden sich nicht immer vermeiden lassen. Bei geflüchteten Menschen in Ausbildungs- oder Beschäftigungsduldung hängt vom Arbeitsplatz auch der befristete Aufenthalt in Deutschland ab, so dass hier eine noch größere Verunsicherung mit einer solchen Entwicklung verbunden ist – und auch für die betroffenen Betriebe die Situation dadurch noch schwieriger wird.“

Bei Abbruch oder Verlust der Ausbildung hat ein Geflüchteter, der sich in Ausbildungsduldung befindet, einmalig sechs Monate Zeit für die Suche eines neuen Ausbildungsplatzes, ohne dass seine Duldung erlischt. Geflüchtete, die sich in einer Beschäftigungsduldung befinden, haben nach Verlust dieser Arbeitsstelle drei Monate Zeit, einen neuen sozialversicherungspflichtigen Job zu finden. Zwar sind aktuell aufgrund der Einschränkungen rund um COVID-19 die Asylverfahren und entsprechend auch Abschiebungen ausgesetzt, doch inwieweit die gesetzlich geregelte Frist in der aktuellen wirtschaftlichen Situation zur Suche einer neuen Ausbildungs- oder Arbeitsstelle reicht und wie viele Menschen in Duldung im Zuge dessen von einer Abschiebung bedroht sind, wird sich wohl erst in den kommenden Monaten zeigen.

Komplette Auswirkungen sind noch nicht absehbar

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge stellt drei Betriebe vor, die die Ausnahmesituation von Ausbildung und Integration von Geflüchteten in der Corona-Krise auf kreative Art und Weise bewältigen.

Ulla Kampers, Personalleiterin der Nordluft Wärme- und Lüftungstechnik GmbH & Co. KG, beschäftigt aktuell zwei Menschen mit Fluchthintergrund – einen Afghanen in Ausbildung und einen Syrer, der die Ausbildung im Unternehmen bereits erfolgreich abgeschlossen hat und nun als Fachkraft tätig ist: „Das größte Problem für unseren Auszubildenden mit Fluchthintergrund ist, dass er derzeit weder Berufsschul- noch Sprachunterricht erhält. Bis zu seinen Prüfungen im Sommer muss er also sehr schnell viel nachholen. Ich hoffe, dass er es schafft.“ Doch trotz Schwierigkeiten sieht sie auch die Chancen für die Zukunft: „Die Krise hat durchaus auch positive Effekte. Wir rücken – wenn auch nicht im physischen Sinne – näher an unsere Mitmenschen heran, insbesondere an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beide Seiten arbeiten daran, die Sorgen des anderen zu berücksichtigen. Ich bin guter Dinge, dass wir auch diese Krise in den Griff bekommen. Zusammen sind wir stark.“

Vier Personen sitzen an einem Tisch und reden
Ulla Kampers von der Nordluft Wärme- und Lüftungstechnik GmbH & Co. KG. Foto: NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge / Markus Braumann (offenblen.de)

Die Not macht erfinderisch

Michael Guttrof, Geschäftsführer des Bremer Logistikunternehmens Kopf + Lübben GmbH, ergänzt: „Auch wenn die aktuelle Situation unser Unternehmen wirtschaftlich stark belastet und wir durch ausbleibende Berufsorientierungstage vermutlich Schwierigkeiten haben werden, alle Ausbildungsplätze in diesem Jahr besetzen zu können, macht die Krise doch auch erfinderisch. Das Arbeiten aus dem Homeoffice war beispielsweise schon länger ein Thema im Unternehmen. Nun haben wir die technischen Voraussetzungen und auch entsprechende Erfahrungen sammeln können. Außerdem haben wir mit der Logistik-Initiative Hamburg ein virtuelles Azubi-Speed-Dating durchgeführt, in dem sich unterschiedliche Unternehmen aus der Logistikbranche als Arbeitgeber vorstellen konnten. Die erste daraus resultierende Bewerbung liegt uns mittlerweile vor. So findet man nach und nach Lösungen, die auch für die Zeit nach der Pandemie von Vorteil sein können.“

Ein Mann lächelt
Michael Guttrof von der Kopf + Lübben GmbH. Foto: NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge / Bernd Brundert

Christian Schröder, Personalleiter im mecklenburgischen Ressort SCHLOSS Fleesensee, weiß die derzeitige Situation für die Auszubildenden gut zu nutzen: „Kurzarbeitergeld für Auszubildende ist bei uns glücklicherweise noch kein Thema. Stattdessen sind wir im regen Austausch mit den Berufsschulen, um Lehrinhalte abzusprechen. Zusätzlich führen wir Schulungsmaßnahmen durch und räumen den Auszubildenden sogenannte Lernzeiten ein, die sie dann zu Hause umsetzen. Darüber hinaus können wir alle Auszubildenden trotz Schließung des Ressorts sinnvoll beschäftigen – In Absprache mit allen Beteiligten auch mal mit fachfremden Inhalten. In den letzten Wochen haben wir beispielsweise viele geplante Renovierungsarbeiten vorgezogen, Grundreinigungsarbeiten durchgeführt sowie den Schlosspark und die Gartenanlagen auf Vordermann gebracht. Mit einer großen Gruppe an Auszubildenden, die zusammen mit Fachkollegen auch fachübergreifend an Instandsetzungsarbeiten mit Hand anlegen, werden die Arbeiten hervorragend und bei guter Stimmung umgesetzt. Das Ressort sieht blendend aus.“

Zwei Männer lächeln
Christian Schröder vom SCHLOSS Fleesensee. Foto: NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge / Viktor Strasse (offenblen.de)

Weitere Informationen

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge wurde 2016 als gemeinsame Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gegründet. Mit seinen mehr als 2.400 Mitgliedern ist es deutschlandweit der größte Zusammenschluss von Unternehmen, die sich für die Beschäftigung von Geflüchteten engagieren. Die Angebote des NETZWERKs von Beratung und Informationsmaterialien über Webinare bis hin zu Workshops und Veranstaltungen sind wie die Mitgliedschaft kostenlos. Weitere Informationen gibt es unter www.nuif.de.

Interviews mit Unternehmen und Pressebilder

Gern stellen wir den Kontakt zu den o.g. Personen her, wenn Sie an einem Einzelinterview interessiert sind.

Unter folgendem Link können Sie zudem Bilder für journalistisch-redaktionelle Zwecke herunterladen: Download-Link.

Download der Pressemeldung als PDF.

Pressekontakt

Ellen Boettcher
NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge
E-Mail: boettcher.ellen@dihk.de
Tel.: 030 20308 6552

Wie kann ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit mangelnden Deutschkenntnissen über das Corona-Virus informieren?

Die Bundesregierung hat eine Corona-Warn-App entwickelt, die auf verschiedenen Sprachen heruntergeladen werden kann. Zur Website

Auf den Seiten der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration finden Sie Informationen zum Coronavirus, Videos der Bundeskanzlerin, Hygienehinweise und vieles mehr in Deutsch, Englisch, Russisch, Arabisch, Türkisch und Französisch aufbereitet. Zur Website

Das Ethno-Medizinisches Zentrum hat Informationen, Schutzmöglichkeiten und praktische Tipps in 15 verschiedenen Sprachen zusammengestellt. Zur Website

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärungen hält unter www.infektionsschutz.de Infografiken und Piktogramme zu Hygienetipps in sechs Sprachen bereit.

Beim Handbook Germany gibt es neben Informationen zum Krankheitsverlauf auch arbeitsrechtliche Informationen zu Kurzarbeit und Home Office in sieben Sprachen. Zur Website

Weitere Informationen zum Arbeitsrecht gibt es beim Deutschen Gewerkschaftsbund, in acht verschiedenen Sprachen. Zur Website

Tipps für den Umgang mit häuslicher Isolation gibt der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen. Zur Website

Was passiert aktuell mit offenen Asylanträgen?

Mittlerweile werden bedingt durch die aktuelle Entwicklung des Corona-Virus die Asylverfahrensberatung und Befragungen im Widerrufsverfahren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in begrenztem Umfang und unter Beachtung der infektionsschutzrechtlichen Vorgaben durchgeführt. Außerdem wurden alle Dublin-Überstellungen von und nach Deutschland bis auf Weiteres vorübergehend eingestellt. Asylanträge werden gegenwärtig nur noch schriftlich entgegengenommen. Es werden aktuell auch nur vollumfänglich stattgebende Bescheide zugestellt. Weitere Informationen dazu sowie regelmäßige Updates gibt es auf der Website des BAMF.

Kreativ durch die Krise

Kreativ durch die Krise

Drei Tipps wie Betriebe auch während der Corona-Pandemie ihr Engagement aufrecht erhalten können

Geflüchtete und Unternehmen stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Weite Teile der Wirtschaft erwarten Umsatzeinbrüche, viele Betriebe kämpfen weiter um ihre Existenz. Diese Faktoren könnten auch die Bereitschaft der Unternehmen beeinflussen, Geflüchtete zu beschäftigen.

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge möchte gerade jetzt Unternehmen motivieren, die Zielgruppe Geflüchtete nicht aus den Augen zu verlieren. Denn wer sich schon heute für eine internationale Arbeits- und Fachkräfte öffnet, gewinnt Kenntnisse und Fähigkeiten, die in unserer globalisierten Welt immer bedeutender werden.

Der Berliner Kfz-Meisterbetrieb von Ali Esh bildet junge Menschen mit Fluchthintergrund zum Kfz-Mechatroniker aus.
Die DRK-Betreuungsdienste Herzogtum Lauenburg GmbH unterstützen als gemeinnützige Einrichtung geflüchtete Menschen auf ihrem Weg in die berufliche Integration.
Die niedersächsische Nordluft Wärme- und Lüftungstechnik GmbH & Co. KG, hat bereits zwei Geflüchtete zur Fachkraft für Metalltechnik ausgebildet.

Drei Ideen, wie Betriebe auch in Krisenzeiten ihr Engagement für Vielfalt aufrecht erhalten können:

1. Digitale Angebote nutzen, um Nachwuchs zu finden

Die Kontaktbeschränkungen schlagen sich in der Bewerbersuche und der Möglichkeit, Auswahlgespräche zu führen, nieder. Viele Kammern bieten mittlerweile virtuelle Ausbildungsmessen und digitale Azubi-Speed-Datings an. Auch Branchenverbände gehen hier bereits digitale Wege. Informieren über vorhandene Angebote können Unternehmen sich am besten bei ihrer Kammer oder dem entsprechenden Branchenverband. Eine Übersicht zu verschiedenen Aktionen der IHKs, die beim Matching von potenziellen Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben unterstützen, hat der DIHK erstellt

2. AzubiSharing oder Teilzeitausbildung als Chance in Krisenzeiten

Die Verbundausbildung oder das AzubiSharing sind weitere Möglichkeiten, die Ausbildung trotz mangelnder Auftragslage fortzusetzen. Dabei geben Ausbildungsbetriebe ihre Auszubildenden vorübergehend an einen anderen Betrieb ab oder bilden gemeinsam im Wechsel aus. Beratung dazu bieten neben den Kammern auch die Verbundberatung Berlin oder das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung der finanziellen Belastung für Ausbildungsbetriebe und gleichzeitig zum Erhalt des Ausbildungsplatzes kann die Teilzeitberufsausbildung sein. Hierbei kann die Arbeitszeit um bis zu 50 Prozent verkürzt werden. Für Unternehmen, die die Auswirkungen der Krise noch nicht absehen können, bietet dieses Modell die Chance, mit zunehmender Stabilisierung der Auftragslage die Stunden wieder zu erhöhen.

3. Reduzierte Arbeitszeit für Weiterbildung und Sprachangebote nutzen

Für den Fall, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden mit Migrations- oder Fluchthintergrund in Kurzarbeit schicken müssen oder Berufsschulen geschlossen werden, kann die zusätzliche freie Zeit auch für den Spracherwerb genutzt werden. Volkshochschulen, das Goethe-Institut oder die Deutsche Welle bieten etwa kostenlose Online-Sprachangebote an. Hilfreich wäre es, wenn Unternehmen auch mit der technischen Ausstattung unterstützen, denn oftmals fehlt Geflüchteten das technische Equipment, um diese Angebote nutzen zu können. 

Darüber hinaus hat das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge mit verschiedenen Partnern kostenlose Vokabelflyer entwickelt, die wichtige deutsche Begriffe in die Sprachen Englisch, Arabisch, Farsi und Tigrinya übersetzen. Verfügbar für die Branchen Lager/Logistik, Gastronomie, Hotellerie und Touristik, Pflege, Gefahrenzeichen und Handel.

Sie haben weitere Ideen oder Erfahrungen mit den o.g. Tipps gemacht? Dann teilen Sie diese gern mit uns!

Am besten per Mail: info@unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de oder telefonisch: 030 / 20308-6550

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