Ankommen im Betrieb
Ein gut strukturiertes Onboarding hilft, sprachliche sowie kulturelle Barrieren zu überwinden und erleichtert den Start im Ausbildungsbetrieb. Hier finden Sie bewährte Strategien und praktische Tipps, wie es Betrieben gelingt, ihre neuen Azubis langfristig zu binden.

Onboarding gestalten
- Vor dem ersten Arbeitstag: Halten Sie Kontakt zu den neuen Auszubildenden. Unterstützen Sie bei der Wohnungssuche und klären Sie bereits jetzt, wer die Azubis am Flughafen in Empfang nimmt und einen ersten Einblick zum neuen Wohnort verschafft (z.B. Spaziergang zum nächsten Supermarkt). Legen Sie besonderen Wert darauf, schon jetzt wichtige Infos zur Ausbildung (z.B. Unterschiede Netto-/Brutto-Gehalt) und dem neuen Leben in Deutschland zu teilen. Auch der fortlaufende Kontakt bis zum ersten Arbeitstag ist wichtig. Stellen Sie, wenn möglich eine Kontaktmöglichkeit via WhatsApp zur Verfügung. Einige Unternehmen bieten auch Newsletter, die sich jeweils an die einwandernden Azubis und an die Stammbelegschaft richten. Während die Azubis in ihrem Newsletter wertvolle Informationen über das Leben in Deutschland erhalten, kann die Belegschaft mehr über die Herkunftsländer der neuen Kolleg*innen erfahren und wird aktiv und frühzeitig in den Prozess eingebunden.
- Erste Arbeitswoche: Unterstützen Sie den Einstieg mit einer Willkommensmappe und klaren Kommunikationsroutinen. Benennen Sie Pat*innen in der Belegschaft – z.B. aus höheren Ausbildungsjahrgängen. Binden Sie die Azubis in Freizeitaktivitäten am Wohnort ein (z.B. Sportvereine). Definieren Sie Aufgaben und Ziele, und bieten Sie Raum für Rückfragen und Feedback. Leisten Sie auch Unterstützung bei administrativen Fragestellungen: Ob die Auswahl der Krankenversicherung und des Hausarztes oder der Hausärztin, die Eröffnung eines Bankkontos oder der Erwerb einer SIM-Karte – den neuen Azubis wird der Start in Deutschland erheblich erleichtert, wenn Sie ihnen auch hier als Betriebsgemeinschaft zur Seite stehen. Zu den typischen Behördengängen gehören: die Wohnsitzanmeldung und die Umwandlung des Einreisevisums in einen Aufenthaltstitel nach §16a AufenthG.
- Bis zum Ende der Probezeit und darüber hinaus: Integrieren Sie die neuen Azubis nachhaltig in die Belegschaft. Regelmäßige Feedbackgespräche helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und die Motivation aufrechtzuerhalten. Suchen Sie auch das Gespräch mit der Berufsschule. Achten Sie auf kulturelle und sprachliche Barrieren und bieten Sie Unterstützung an. Denken sie spätestens jetzt auch über nötige Förderangebote nach, etwa im Bereich Spracherwerb oder Nachhilfe.
Kurze Steckbriefe der neuen Azubis im Aufenthaltsraum, die Interessen und Hobbys vorstellen, aber auch Fragen wie „Woran sieht man, dass du gestresst bist?“ abfragen, helfen dabei, erste Gemeinsamkeiten zu entdecken und erleichtern das Gegenseitige Kennenlernen noch vor der Einreise. Fußballfans können zum nächsten Besuch im Stadion, Musikinteressierte zum örtlichen Chor oder nächsten Konzertbesuch eingeladen werden. So gelingt auch die soziale Integration am Wohnort.
Neu ankommende Azubis müssen viele Anschaffungen tätigen, haben aber meist erst am Monatsende Zugang zu ihrem ersten Gehalt. Ein Vorschuss kann hier entlasten. Wird er mit dem regulären Gehalt verrechnet, hat das keine steuerlichen Nachteile – vorausgesetzt, er wird korrekt dokumentiert und abgerechnet.
Stadtrundgang durch die neue Heimat
„Die creatio GmbH unterstützt ihr ausländischen Azubis schon beim Ankommen in Deutschland. Die angehenden Auszubildenden zur Pflegefachkraft werden am Flughafen in Empfang genommen und lernen ihre neue Heimat im Rahmen eines gemeinsamen Stadtrundgangs durch Trier kennen. Die Kolleg*innen des Integrationsmanagement stehen den neuen Mitarbeitenden während des gesamten Onboarding-Prozesses zur Seite und klären administrative Fragen rund um das Ankommen in der Region Trier.„
Markus Kowalik, Prokurist und Leiter Integrationsmanagement creatio GmbH

Förderangebote für Azubis kennen
Ihren Azubis aus dem Ausland stehen Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung. Alle aufgeführten Angebote sind kostenfrei.
Assistierte Ausbildung (AsA)
Umfangreiche Unterstützung in Form von Sprachunterricht oder fachtheoretischem Nachhilfeunterricht, aber auch sozialpädagogische Betreuung oder Unterstützung für den Ausbildungsbetrieb beim Erstellen von Qualifizierungsplänen.
Azubi-Berufssprachkurse
Intensive Förderung zum Erlernen der deutschen Sprache – orientiert an den Ausbildungsinhalten und Prüfungsvorbereitung.
Finanzielle Unterstützung während der Ausbildung
Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) kann für die betriebliche Ausbildung zur Lebensunterhaltssicherung beitragen, aber erst im Inland beantragt werden. Für die schulische Ausbildung kann unter bestimmten Voraussetzungen BAföG genutzt werden.
Neben den staatlichen Förderangeboten gibt es z.B. auch das Programm „VERA plus – Verbesserung von Ausbildungserfolgen“ des Senior Expert Service. Hier bieten sogenannte Senior-Expert*innen in Rente kostenlose 1:1-Betreuung, Unterstützung bei Ausbildungsinhalten, sprachlichen Schwierigkeiten und sozialen sowie persönlichen Problemen, mit Familie, Freunden oder im Betriebsalltag. Die Ausbildungsbegleitenden werden auf ihre Aufgabe vorbereitet und bringen durch jahrlange Berufserfahrung Fachwissen aus Industrie, Handwerk, technischen, kaufmännischen und sozialen Berufen mit. Beatragen können Sie das Angebot auf der Webseite des Senior Expert Service.
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Die Initiative Neue Qualität der Arbeit beleuchtet die Themen Chanchengleichheit und Diversity
Das RKW Kompetenzzentrum gibt in dieser Publikation Tipps und Argumente gegen die Sprachlosigkeit im Austausch mit der Belegschaft
