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Gratulation zur bestandenen Prüfung

Doppelinterview mit Tipps für Betriebe und Azubis mit Fluchthintergrund

Johannes M. Jeutter beschäftigt in seinem Landschaftsbaubetrieb „Garten und Pflanzen Jeutter“ in Göppingen 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unter den 10 Auszubildenden des Betriebs befinden sich auch Auszubildende mit Fluchthintergrund. Zwei dieser Azubis haben vor kurzem erfolgreich ihre Ausbildung abgeschlossen.

Was den Auszubildenden dabei geholfen hat und wie der Betrieb zu dem Erfolg beitragen konnte, erfahren Sie im folgenden Doppelinterview mit Johannes M. Jeutter und seinem ehemaligen Azubi Hamed, den er mittlerweile als Fachkraft übernommen hat:

Herr Jeutter, Sie haben ein eigenes Ausbildungskonzept im Unternehmen eingeführt. Können Sie kurz beschreiben, was daran so besonders ist?

Johannes M. Jeutter: Unser Ausbildungskonzept beruht darauf, dass wir zusätzlich viele theoretische und praktische Übungen anbieten. Die finden bewusst außerhalb der Arbeitszeit statt. Dies hebt die Wertigkeit. Die Ausbildungen werden immer von uns AusbilderInnen gemacht und von KollegInnen, die in irgendeiner fachlichen Weise spezialisiert sind. Aber wir haben auch Gaststars von außen. Manchmal einen Dr. der Biologie oder einen Fotografen, der mit den Azubis die erarbeiteten Pflanzenporträts in Videos aufnimmt und vieles mehr.

Was hat aus Ihrer Sicht beim Deutschlernen besonders gut geholfen?

Johannes M. Jeutter: Eine Sprache lernt sich immer am leichtesten, wenn man diese ständig spricht. Deshalb hat es am besten geholfen, dass die jungen Männer ständig mit deutschsprechenden Gleichaltrigen unterwegs waren, in der Regel mit ihren Kollegen. Durch die Arbeit und auch die anfänglich scheinbare Mehrbelastung durch die zusätzlichen Lernangebote werden die jungen Menschen ganz anders zusammengeführt. Wenn man nach 7,5 Stunden die Schaufel wegwirft und davonrennt, wird die Arbeit im Kopf zur Last und unerträglich. So sieht man sich länger und trinkt nach der Arbeit auch mal zusammen einen Kaffee. Wenn vor allem das Arbeitsklima stimmt, dann wird die Arbeit zum Halt, wenn es sonst nicht rund läuft oder man Angst hat, abgeschoben zu werden. Dann ist man auch in der gemeinsamen Sprache viel leichter zu Hause.

Hand auf’s Herz: Würden Sie wieder Geflüchtete ausbilden?

Johannes M. Jeutter: Ja klar, machen wir doch. Das trägt zur Öffnung bei. Ein „Open Mind“ ist immer gut und bringt uns weiter.

Hamed, wie fühlst du dich mit dem Zeugnis in der Tasche?

Hamed: Ich fühle mich endlich sicher und auch befreit. Und ich muss nie wieder Berichtsheft schreiben 😊

Was hat dir bei der Prüfungsvorbereitung gut geholfen?

Hamed: Die Unterstützung durch den Betrieb und die Kollegen.

Was sind eure beruflichen Wünsche für die Zukunft?

Hamed: Ich habe keine konkreten Wünsche. Ich möchte erstmal Berufserfahrung sammeln.

Das NUiF-Team gratuliert ganz herzlich zu diesem Erfolg und wünscht für die Zukunft alles Gute!

  • Weitere Informationen zu Garten und Pflanzen Jeutter lesen Sie unter www.gaertnerhof-jeutter.de.
  • Ein weiteres Interview mit Johannes M. Jeutter über sein Engagement als Regionalbotschafter 2019/20 gibt es hier.
  • Praxistipps zur Einsatzplanung während des Ramadan hat Johannes M. Jeutter in unserem neuen Integrationskompass ergänzt.